angst und bange

Als Anhängerin der Silent Hill-Reihe habe ich mich natürlich auch wieder besonders auf den neuen Titel Silent Hill: Shattered Memories gefreut, welcher im letzten Monat erschienen ist. Ja, dadurch wird mein Artikel nicht besonders aktuell, aber dennoch habe ich das Bedürfnis, auch etwas dazu zu schreiben. Mein erster Eindruck war: Oha, es ist anders! Aber mal so völlig anders. Ein Schritt in eine ganz neue Richtung und alleine diese Tatsache versprach, das Spiel irgendwie interessant zu machen. Tatsächlich handelt es sich ja um eine Neuinterpretation des ersten Teiles der Serie.
Es beginnt auf dem Sofa des Psychologen Dr K., den man als SH-Veteran natürlich schnell als Dr Kaufmann aus den früheren Teilen identifiziert. Er stellt einige harmlose Fragen, die man mit Ja oder Nein beantworten kann und gibt einem im Laufe des Spiels, in welchem immer wieder zu seiner Sitzung zurück gekehrt wird, einige Aufgaben auf, durch deren Lösung er (oder das Spiel) sich Hinweise auf die Psyche des Spielers erhofft. Ziel des ganzen ist es laut Story, seine Erinnerung an verschiedene Ereignisse zurück zu erlangen, aus welchen das eigentliche Spiel besteht.
An dieser Stelle kommt einem als SH-Spieler auch alles wieder irgendwie bekannt vor. Harry Mason, der Protagonist der Geschichte, baut einen Autounfall und fällt in Ohnmacht. Als er wieder aufwacht, stellt er fest, dass seine Tochter, Cheryl, die mit ihm im Auto saß, verschwunden ist und sucht sie im fortlaufenden Spiel in der Stadt Silent Hill. Neben Dr Kaufmann trifft man dann auch auf andere bekannte Gesichter. Cybil Bennet, Lisa Garland, Dahlia Gillespie – sie alle trifft man wieder, jedoch niemanden in der Form, in der man ihn kannte. Alles Weitere wären Spoiler, deswegen höre ich an dieser Stelle auf und komme endlich zu dem, worüber ich eigentlich die ganze Zeit habe reden wollen: das Gameplay.

Die ursprüngliche Story dermaßen zu verfälschen und völlig inkompatibel mit allen anderen SH Teilen zu machen, war an sich schon ein gewagter Schritt in eine neue Richtung, aber das alles hätte ja nicht seine Wirkung erzielt, hätte man nicht auch das Gameplay von Grund auf erneuert. Die Wii eignet sich für so etwas, durch die Steuerungsmöglichkeiten, natürlich ganz hervorragend, weswegen das Spiel auch sichtlich auf sie zugeschnitten wurde. Wie die Steuerung auf der PS2 aussieht, weiß ich nicht. Aber irgendwie ist es für mich schwer vorstellbar, dass sie funktioniert.
Gewählt wurde eine Third-Person-Perspektive, bei welcher man mit der Taschenlampe, als Fadenkreuzersatz, zielt. Durch gedrückt halten eines Schulterbuttons wird rangezoomt, sodass man Gegenstände untersuchen kann. Ab und zu gibt der Protagonist dann einen kleinen Kommentar ab. Hier zeigt sich schon die erste grundlegende Veränderung, denn das Untersuchen seiner Umgebung lohnt sich beim neuen Silent Hill eigentlich gar nicht mehr. Objekte wie Schränke oder Kästen, die man öffnen kann, werden durch einen Pfeil markiert, wodurch man sie nicht einmal mehr suchen muss. Andere Gegenstände, Plakate oder Notizen mögen zwar ab und an recht nett zu lesen sein, haben aber keinen weiteren Nutzen und können beim Durchspielen getrost ignoriert werden, was den Untersuchungsdrang beinahe völlig eindämmt. Rätsel gibt es wenige, kein einziges ist schwierig, höchstens zwei wirken irgendwie kreativ, der Rest ist von A nach B rennen. Klingt langweilig? Kann ich nicht unbedingt sagen, da Atmosphäre durchaus vorhanden ist, einen wirklichsen Sinn kann man in seinem Handeln während des ganzen Spiels aber eigentlich nicht finden.

Weiter geht es mit einem Punkt, welcher bei Silent Hill niemals fehlen darf, nämlich der Reise in eine andere, surreale Welt. Während die sogenannte Otherworld früher mit seinem rostigen, blutigen Flair die typische SH-Atmosphäre geprägt hat, wurde sie für Shattered Memories völlig überarbeitet. Statt rostigen Gittern, überdimensionalen Ventilatoren, Stahlrohren und endlosen, schwarzen Abgründen, erstarrt nun alles zu Eis. Der Himmel verdunkelt sich und alles um einen herum friert ein, was durchaus auch seinen Reiz hat, obwohl ich die ursprüngliche Otherworld doch bevorzuge.
In dieser eisigen Alptraumwelt trifft man auch zum ersten mal auf Monster, womit wir bei der nächsten grundlegenden Veränderung wären. Kämpfe existieren schlicht und ergreifend nicht mehr. Alles, was man tun kann, ist rennen, und das möglichst, so schnell man kann. Wird man dann doch von einem der ekelhaften Gegnertierchen erwischt, kann man sie mithilfe der Wii-Steuerung abschütteln, sofern es nicht zu viele sind.
Inwiefern man das nun gut oder schlecht findet, ist wohl Geschmackssache, ich fand es aber ziemlich blöd. Die Tatsache, dass das Spiel in Flieh- und Untersuchpassagen unterteilt ist, lässt überhaupt keine Spannung aufkommen, da man ohnehin weiß, dass man nicht angegriffen wird. Gruselatmosphäre? Nö. Schockmomente? Gibt es nicht. Man rennt prinzipiell das ganze Spiel über nur von A nach B, öffnet Türen, findet nutzlose Gegenstände und macht Tests beim Onkel Doktor.

Nun stellt sich dem ein oder anderem vielleicht die Frage, warum ich das Spiel, trotz all dieser Negativpunkte nicht schlecht finde.
Ich glaube, es ist der Schritt in eine neue Richtung, der mich überzeugt hat. Obwohl ich auch vom alten SH-Spielprinzip nach wie vor angetan bin, mag es manchmal gar nicht schlecht sein, einfach mal etwas völlig neues zu versuchen – und, dass etwas neues versucht wurde, ist in diesem Fall ja völlig offensichtlich. Es ist halt nicht gruselig, aber dennoch atmosphärisch, was das Spielgefühl an sich nicht schlecht macht. Es bietet viele gute Ideen und Aha-Momente, welche einen zum Weiterspielen bewegen und wer Silent Hill vorher noch nie gespielt hat, dem mögen meine Kritikpunkte eventuell gar nicht auffallen. Trotzdem bedeutet das für einen Spieler der ehemaligen SH-Teile, insbesondere des ersten Teils, nicht, dass er die Finger davon lassen sollte. Gerade dadurch kann es sein, dass die unterschiedlichen Charaktere interessanter werden und somit für noch mehr Aha-Momente sorgen.
Es ist also ein zweischneidiges Schwert. Für mich leicht enttäuschend, da ich auf etwas Gruseliges gehofft habe, enthält aber so viele Ideen, dass es das beinahe schon wieder gut macht. Climax, die seit SH: Origins für Silent Hill verantwortlich sind, haben also schon einiges richtig gemacht. Ich bin ganz froh, dass sie diesen Schritt gemacht haben, finde aber auch, dass sie für zukünftige Titel wieder mehr in Richtung der ursprünglichen Serie gehen sollten. Die waren wenigstens gruselig, verdammt nochmal!

~ von dracia am März 18, 2010.

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